Backpacking durch Kambodscha

 

Ich habe schon vor meiner Reise nach Kambodscha die unterschiedlichsten Geschichten und Erlebnisse im Freundes- und Bekanntenkreis über das Land gehört. Manche Freunde erzählten mir von ihren Erfahrungen und davon, dass Kambodscha zu einen der ärmsten Länder der Welt zählt, aber landschaftlich und kulturell fantastisch sei und die Gastfreundlichkeit der Einheimischen, so wie früher in Thailand sein soll. Und den bekannten, 900-Jahre alten Tempel Angkor Wat – ist sowieso ein „Must-see“.😉

Andere waren ziemlich erstaunt und verdutzt als ich ihnen von meinen Reiseplänen von Kambodscha erzählte. Die Meinungen gingen stark auseinander, ungefähr ähnlich wie bei meiner Pressereise letztes Jahr nach Israel. „Kambodscha ist extrem gefährlich und kriminell“ wurde mir mehrfach gesagt. Auch wenn wir bisher durch Thailand, Malaysia und Singapur alleine als Backpacker gereist sind, so haben wir uns aus Sicherheitsgründen einfach dazu entschlossen diesmal eine organisierte Tour mit G-Adventures zu machen. Und ich bin sehr gespannt was mich in Kambodscha erwarten wird…

Nun bin ich auf dem Weg nach Siem Reap. Um 5.30 Uhr klingelte heute morgen der Wecker in Bangkok. Bereits 1 Stunde später hatten wir schon gefrühstückt, ausgecheckt und waren startklar für die 10-Tages-Tour. 

Unsere Gruppe besteht aus 11 Personen: ein Pärchen aus Kanada, ein Pärchen aus Brisbane / Australien, ein Japaner, zwei Mädels aus Köln bzw. Neuss (ist ja irgendwie immer so 😉), ein Mädel aus Norwegen und ein Mädel aus London (sie erinnert mich irgendwie total an Jamie – mit ihm hatte ich meine Vietnam Tour) und wir beide. Unser Tourguide ist gebürtiger Australier und heißt Steve. 

Nach ca. 4 Stunden Busfahrt kamen wir an der Grenze an, wo wir zunächst (wie bei unserer Einreise nach Malaysia) nur den Ausreisestempel für Thailand bekamen. Wir hatten bereits vorher das Formular für das Visum für Kambodscha handschriftlich ausgefüllt. Wichtig hierbei ist, dass man für das Visum in Kambodscha neben einem gültigen Reisepass und der Departure Card von Thailand (bekommt man bei der Einreise) auch ein Passbild braucht. Zum Glück habe ich auf Reisen immer 3-4 Passbilder vorrätig für genau solche Zwecke. Für den Einreisestempel liefen wir ein kurzes Stück über das dortige Gelände und danach zu Fuss über die Grenze und bekamen dann (nachdem wir unsere Fingerabdrücke abgegeben und ein Foto von uns gemacht wurde) neben dem Visum auch den Einreisestempel von Kambodscha. 

Was fällt einem als erstes in Kambodscha auf? Es gibt hier keinen Linksverkehr auf den Strassen, wie zuvor in Thailand und Malaysia. Was darauf basiert, dass beide Länder früher zur britischen Kolonie zählten. Kambodscha hingegen war, wie übrigens auch Vietnam, von den Franzosen besetzt. Kurzum deshalb gibt es hier in Kambodscha u.a. den uns allzeit bekannten Rechtsverkehr. Was aber für Außenstehende viel merkwürdiger ist, wie kann man als asiatisches Land einfach so eine andere Währung einführen, wenn die eigene Landeswährung selbst so schlecht ist, anstatt diese zu stärken? Wenn man in Kambodscha an einem ganz normalen ATM Geldautomaten Geld abheben möchte bekommt man tatsächlich US-Dollar ausgezahlt. Das Skurrile daran ist doch, wie ist es möglich, dass es eine solche starke Währung in so einem Land wie Kambodscha als Zahlungsmittel gibt? 

Gestern Abend waren wir noch in einer Schule und auch einem kleinen Krankenhaus von der Foundation „New Hope Cambodia“ in Siem Reap gewesen. Die Aufgabe dieser Organisation ist es, Kinder aus den Slums des Landes kostenlos Englischunterricht zu vermitteln und die Familien dieser Kinder bekommen ebenfalls Grundnahrungsmittel wie z.B. Reis kiloweise zur Verfügung gestellt oder werden medizinisch versorgt. Der Besuch der Schule und auch das persönliche Gespräch im Klassenraum mit den Kindern sowie der kurze Besuch im Krankenhaus, macht einen als Europäer doch sehr nachdenklich. Gerade wenn man selbst Kinder so sehr mag, lassen einen solche persönliche Lebensgeschichten ganz sicher nicht kalt. Viele oder sogar die meisten der Kinder haben z.B. das Land noch nie verlassen, aber sind dennoch total weltoffen, herzlich und an uns Reisenden sehr interessiert gewesen und alles andere als neidisch. Und solche Momente sind es, wenn einem strahlende Kinderaugen so herzlich anschauen, warum ich genau solche Art von Reisen so gerne mache und keine 0815-Standardreisen bei Veranstalter XY… 😉

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 Siem Reap und Angkor Wat

Um 4.10 Uhr morgens klingelte unser Wecker, da um 5 Uhr bereits die Abfahrt zum bekannten Tempel Angkor Wat war, um dort den Sonnenaufgang zu beobachten. Wir bekamen unser Tagesticket für 20 $ mit einem verschlafenen Foto, auf dem wir aber alle aussahen wie die Maulwürfe.

Als wir an der Tempelanlage ankamen war es noch stockdunkel. Man sah nicht mal die Treppenstufen über die man hätte stolpern können. Einfach nichts. Also liefen wir im Grunde genommen blind den anderen im Gänsemarsch hinterher. 

Es war noch vor 6 Uhr als wir vor dem Tempel ankamen und vor der linken Teichseite aus standen, um von dort „den besten Blick zu haben“. Auf die Idee kamen aber auch gefühlte 1000 andere Personen und es herrschte zu dieser nächtlichen Uhrzeit ein Ansturm auf die besten Fotoplätze. Es war schlimmer als beim Ayers Rock in Australien. Denn von der linken Teichseite aus konnte man die im Osten aufgehende Sonne am Besten sehen, wie sie hinter den Türmen hervorkam.

In Kambodscha ist derzeit Hochsaison. Eigentlich seltsam und etwas unverständlich, dass hier Hochsaison ist und nur ein Land „weiter“ in Malaysia herrscht derzeit absolute Nebensaison, bedingt durch die Monsunzeit. 

Wir standen noch eine Zeit lang im Dunkeln bis sich der Himmel erst langsam lila, dann in ein leuchtendes Rot verfärbte. Ein unfassbar tolles Farbenspiel mit diesem beeindruckenden und historischen Tempel als schwarze Silhouette davor, daneben im Wind wehende Palmen, im Vordergrund der Teich mit Seerosen in dessen Wasser sich der Tempel ebenso spiegelte. Am Himmel waren kleinen Wölkchen zu sehen, die nochmal einen Farbklecks in dieses Bild brachten, als sie von der aufgehenden Sonne angestrahlt wurden. 

Heute haben wir uns neben dem bekanntesten Tempel Kambodschas, dem Angkor Wat auch die nahegelegenen Tempel(ruinen) Bayon und Ta Prohm angeschaut. 

Die im Dschungel stehende Tempelruine von Ta Prohm hat mir jedoch am besten gefallen. Einige Schlüsselszenen des bekannten Actionfilms „Tomb Raider“, mit Angelina Jolie (in der Rolle der Lara Croft), wurden in dieser tollen Tempelruine gedreht. 

Es ist wirklich beeindruckend, wenn man die Bäume sieht, wie sie direkt und neben den Mauern entlang der Anlage gewachsen sind und diese mit ihren zig Wurzeln rechts und links davon umschließen. Der Boden ist dort sehr sandig und staubig, nicht wie in den meisten Tempeln aus Stein. 

Der Bayon Tempel wird auch als „Gesichertempel“ bezeichnet. Über mehrere „Stockwerke“ durchläuft man diese Anlage. 49 Türme hat dieser Tempel und jeder einzelne davon ist mit in den Stein geschlagenen Gesichtern „Smiley Faces“ verziert, die einen von allen Himmelsrichtungen ansehen. 

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