Malta & Gozo

 

Malta ist für die Meisten nur als Insel für Sprachreisen bekannt, doch die Insel hat viel mehr zu bieten: Traumhafte Landschaften, kulturelle Vielfalt und Geschichte. Für Naturinteressierte hat die ruhigere Nachbarinsel Gozo jede Menge zu bieten.

Inselhauptstadt Valletta

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Der Großmeister Jean Parisot de la Valette gründete am 28. März 1566 auf dem strategisch günstigen Berg Mount Sciberras zum besseren Schutz des Grand Harbour die Festungsstadt Valletta. Nach nur drei Jahren waren die Befestigungsanlagen weitgehend fertiggestellt.

Die Straßen der Stadt sind schachbrettartig angelegt, was einen entscheidenden Vorteil für all diejenigen hat, die einen schlechten Orientierungssinn haben, denn in Valletta kann man sich eigentlich nur sehr schwer verlaufen. Zum Glück habe ich damit keine Probleme!😉

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Die Stadtregion Valletta mit ihren beiden Häfen war in der britischen Kolonialzeit und noch bis zur Jahrtausendwende das wirtschaftliche Zentrum der maltesischen Inseln. Valletta wird übrigens auch die „Europäische Kulturhauptstadt des Jahres 2018“ werden.

Die Upper Barracca Gardens dienten früher als Exerzierplatz, aber auch Erholungsort der Malteserritter. Die Aussichtsterrasse ermöglicht einen spektakulären Ausblick auf den Hafen von Valletta – den Grand Harbour, der zu den tiefsten Naturhäfen des gesamten Mittelmeeraumes zählt. Siehe Fotos…

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Harbour of Valletta

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Tipp für Romantiker und Pferdefans: Vor dem Grand Master’s Palace (Großmeisterpalast) warten immer einiger Kutscher auf Kundschaft. Eine etwa 50-minütige Rundfahrt für bis zu vier Personen kostet ca. 40 €. Pferdekutschen heißen auf Malta „Karozzin“ (Und Nein, es hat ganz sicher nichts mit dem Flugturbinentreibstoff Kerosin zu tun.)🙂

Die einzigartige Multivisionsshow „Malta 5D“ bietet in Valletta, auf eine unterhaltsame und gleichzeitig multimediale Weise einen hervorragenden Gesamtüberblick zur Geschichte Maltas und Vallettas. Dieses Kino der neuen Generation bietet mit Spezialeffekten, wie dem 3-D-Film, bewegenden Sitzen und Fußkitzlern, Sprühwasser und Luftstössen Spaß für die ganze Familie. Auf diese Weise kann man nahezu perfekt in die bunten und beeindruckenden Episoden der maltesischen Geschichte und Kultur eintauchen. Der Eintritt für Erwachsene kostet 9 Euro, für Kinder unter 14 Jahren 6 Euro.

St. John’s Co-Cathedral

Die sogenannte Konkathedrale des römisch-katholischen Erzbistums Malta wurde ca. zwischen 1573 und 1577, unter dem Malteser-Großmeister Jean de La Cassiere, in Valletta erbaut. Die prächtig ausgeschmückte Kirche ist ein Paradebeispiel für die Epoche des Hochbarock und beeindruckt u.a. mit Deckengemälden des italienischen Meisters Mattia Preti. Die äußere Fassade besteht aus einem schlichten Kalkstein, während der Innenraum durch seine sehr kunstvolle Dekoration besticht. Acht reich verziehrte Kapellen befinden sich an den jeweiligen Seiten anstelle von oftmals üblichen Seitenschiffen. Geweiht ist diese Kathedrale dem heiligen „Johannes dem Täufer – dem Schutzpatron des Malteserordens“.

Und so schließt sich der Kreis, denn „Johannes der Täufer“ ist zufällig auch mein Schutzpatron vor vielen Jahren – bei meiner eigenen Konfirmation gewesen. Und noch etwas ist mir bei dieser eindrucksvollen Kathedrale aufgefallen: Auf der linken Seite befindet sich u.a. auch die deutsche Kapelle, die der „Erscheinung des Herrn“ und den „Heiligen Drei Königen“ gewidmet ist. Quiz Frage des Tages: Wo befinden sich die Reliquien der „Heiligen Drei Könige“? Richtig! Im wunderschönen Kölner Dom, in meiner alten Heimat Köln.🙂

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Der wunderschöne Altar der St. John’s Co-Cathedral.

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Der Innenraum der Kathedrale.

Im Oratorium der Kathedrale befindet sich eines der berühmtesten Gemälde Europas – „Die Enthauptung Johannes des Täufers“ von Caravaggio, welches während seines Aufenthalts in Malta entstand. Das Werk zählt zu dem wichtigen dieser Periode und ist eines DER Meisterwerke Caravaggio. Der Künstler wurde mündlichen Überlieferungen zufolge 1571 in Mailand geboren, seine Ausbildung absolvierte er in der Lombardei. Caravaggio erreicht es in der Schönheit der Kunst jeden Naturausdruck einzufangen und meidet stattdessen die üblichen Darstellungsformen, sondern folgt dabei seinen sehr gut ausgeprägten Instinkt.

Der Besuch des kleinen Stadtpallazzo „Casa Rocca Piccola“ und das persönliche Treffen mit dem Hausbesitzer, dem 9. Marquis – Nicholas de Piro war für mich, neben der beeindruckenden Kathedrale, das Highlight des Tages. Der Marquis selbst ist nicht nur Malteserritter, sondern auch ein fabelhafter Kenner der Geschichte Vallettas und Maltas. Das „Casa Rocca Piccola“ ist der einzige Palast in Valletta, der sich noch heute in Privatbesitz befindet und dennoch teilweise (12 Räume) für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Der Palazzo birgt eine faszinierende Mischung aus antiken Möbeln, Gegenständen und Sammlungen, die alle für sich die langjährige Geschichte Vallettas, Maltas und der Familie de Piro erzählen.

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Nicholas de Piro in seinem Element.🙂

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Einer der 12 öffentlich, zugänglichen Räume des Casa Rocca Piccola.

Das Haus wurde im 16. Jahrhundert für den Ritter Don Pietro La Rocca erbaut und gelangte dann in den Besitz der Familie de Piro. Die unglaublich vielen Geschichten der Familie de Piro kann man auch heute noch beim Durchschreiten der Räumlichkeiten bewundern. So sieht man auch das Original Bett von Orsola de Piro d’Amico’s, die in diesem Bett neun (!) Kindern das Leben schenkte.

Bett de Piro

Das Original Bett von Orsola de Piro d’Amico’s

Mdina

Mdina ist eine wunderschöne alte Stadt mit mittelalterlichen Flair und befindet sich im Zentrum der Insel. Sie war die ehemalige Hauptstadt Maltas, vor der Erbauung der jetzigen Hauptstadt Valletta im Jahr 1566. Mdina war durch seine strategisch günstige Lage schon eine Kolonie des Römischen Reiches und wird auch heute noch als die„Stille Stadt“ bezeichnet.

Mdina

Mdina – Blick auf die Stadt

Die Stadt besticht durch ihre vielen, schmalen Gassen, den geringen Autoverkehr und den nur spärlich vorhandenen Geschäften und Restaurants.

Die engen Gassen von Mdina.

Die engen Gassen von Mdina.

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Mdina ist eine Art Mischung aus mittelalterlicher und auch barocker Architektur, wie man eindrucksvoll an dem St. Paul’s Square, an dem sich die Kathedrale und verschiedene Gebäude aus unterschiedlichen Bauepochen zusammen finden, bewundern kann.

Das Main Gate - ein triumphbogenartiges Haupttor.

Das Main Gate – ein triumphbogenartiges Haupttor.

Die verschiedensten Bauepochen sind erkennbar.

Die verschiedensten Bauepochen sind erkennbar.

Diese wunderschöne Kathedrale gilt als das Meisterwerk von Lorenzo Gafà, der im Jahr 1697 mit dem Bau dieses beeindruckenden Bauwerks beauftragt wurde. Die Deckengewölbe sind geschmückt mit Malereien (Ende 18. Jh.) der sizilianischen Künstler Antonio und Vincenzo Manno, mit Szenen aus dem Leben der Apostel Petrus und Paulus. Die anmutige Tür (aus irischer Mooreiche) zur Sakristei stammt aus dem 15. Jh. und wurde mit geschnitzten Tiermotiven aus dem nordischen Kulturkreis verziert.

Die wunderschne Kathedrale von St. Peter und Paul.

Die wunderschne Kathedrale von St. Peter und Paul.

Mdina wirkt für mich persönlich wie eine Stadt aus einer längst vergessenen Zeit, vor allem durch die in gelblichem Kalkstein errichteten Kirchen, ehrwürdigen Klöster und Paläste und der arabisch anmutenden Atmosphäre. Man fühlt sich mit jedem Schritt durch diese historische Stadt zurückversetzt in ein Märchen aus „1001 Nacht“.

Frances & ein Malteser Ritter

Frances & ein Malteser Ritter

 

Gozo

 

Der Name Gozo steht für „Freude“ (engl. Joy). Die Insel erhielt den Namen unter den Aragonesern, die ab 1282 das Land beherrschten. „Gozo“ leidet sich aus dem Begriff „Gaulos“ (von den Phöniziern, 700 v. Chr.) ab. Auch die Römer behielten den Namen „Gozo“ bis zur arabischen Herrschaft (ab 800 n. Chr.) bei. Die Araber änderten den Namen allerdings in „Ghawdex“ um. Auch heute wird Gozo deshalb in der maltesischen Sprache noch „Ghadex“ genannt.

Gozo ist mit seinen ca. 40.000 Einwohnern weitaus kleiner als Malta, viel ländlicher und ruhiger als die Schwesterninsel Malta.

Nach einer ca. 30-minütigen Fahrt mit der Fähre von Cirkewwa kamen wir im idyllischen, kleinen Hafen von Mgarr an. Neben den großen Fähren legen hier auch viele bunte (sogar türkise) Fischerboote an. Nach einer kurzen Verschnaufpause ging es weiter in den Ort Xaghra, wo uns das geschichtliche Highlight des Tages erwarten sollte.

Insel Gozo

Insel Gozo

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Hafen von Mgarr

 

Die „Ggantija Tempel“ befinden sich im Südosten von Xaghra. Dieser Megalithtempel gehört wohl zu den bedeutendsten, archäologischen Stätten weltweit und ist schon seit 1980 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. Die Einheimischen hielten den Tempel von jeher für heilig und betrachteten das besondere Werk als gigantisch – deshalb auch der Name „Ggantija“. Einer maltesichen Legende nach soll eine Riesin das Bauwerk in nur einer einzigen Nacht errichtet haben.

Ggantija Tempel

Ggantija Tempel

Ggantija in Großaufnahme

Ggantija in Großaufnahme

Fakt ist, diese einmalige Anlage besteht aus zwei Tempeln, die auf zwischen 3.600 und 3.200 v.Chr. zurückdatiert werden konnten. Ggantija wird als eine der ersten, von Menschenhand erschaffenen, freistehenden Konstruktionen der Welt angesehen und ist somit sogar älter als Stonehenge (Baubeginn schätzungsweise 2.600 v. Chr) oder die Pyramiden in Gizeh / Ägypten (entstanden etwa zwischen 2620 bis 2.500 v. Chr.).

Von Xaghra aus fuhren wir weiter in die Inselhauptstadt Victoria. Victoria – auf Maltesisch „Rabat“ („Vorort“) genannt – existierte bereits lange bevor die Zitadelle der Stadt auch der Zufluchtsort für die Einheimischen wurde. Victoria entwickelte sich über die Jahrhunderte hinweg und wurde 1887 zu Ehren von Queen Victorias Trohnjubiläum im Jahr 1887 in „Victoria“ umbenannt. Victoria ist nicht nur Hauptstadt, sondern auch das Verwaltungszentrum der Insel. Hier befinden sich u.a. auch Krankenhäuser und Schulen.

Nach einem Spaziergang durch die verschlungenen, alten Gassen rund um die St. George’s Basilica, kehrten wir zum Mittagessen in das traditionelle Lokal „Ta Rikardu“ein.

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St. George’s Basilica

Rikkardus Weinstube befindet sich einem alten Haus in der Zitadelle, das ihm und seiner Familie einst als Wohnhaus diente. Inzwischen sind seine Kinder groß und das Haus wurde als Restaurant mit einer wunderschönen Dachterrasse mit Blick aufs Meer umgebaut.

Das Lokal "Ta Rikardu"

Das Lokal „Ta Rikardu“

Hier gibt es keine Speisekarte im klassischen Sinne, denn Rikkardu und seine Familie servieren nur typische gozitanische Antipasti, hausgemachte „Ravjul“ (Ravioli) oder eine Gemüsesuppe.

Blick von der Dachterrasse aufs Meer.

Blick von der Dachterrasse aufs Meer.

Nach dem Essen trafen wir frisch gestärkt den gozitanischen Käsebauern und Winzer höchstpersönlich – Herrn Rikkardu Zammit. Rikkardu besitzt mehrere Ziegen und stellt in einem kleinen Haus, in der mittelalterlichen Zitadelle von Victoria, auch heute noch von Hand den köstlichen Ziegenkäse her – eine Spezialität der Insel Gozo.

Bei dem Gespräch mit Rikkardu erfuhren wir einiges über die mühsame Herstellung des Ziegenkäses „Gbejna“. Er wird entweder frisch gegessen, aber auch mit Pfeffer oder Kräutern in Öl eingelegt.

Ziegenkäse Bauer Rikkardu Zammit

Ziegenkäse Bauer Rikkardu Zammit

Selbstgemachter Ziegenkäse.

Selbstgemachter Ziegenkäse.

Nach einem kurzen heftigen Regenschauer fuhren wir weiter in den Ort Dwejra um uns das bekannte „Azure Window“ anzuschauen.

Das sogenannte „Azure Window“ auch bekannt als das „Blaue Fenster“ ist eine Art imposanter Felsbogen der über Jahrtausende hinweg durch verschiedene Umwelteinflüsse wie Wind, Regen und Wellen geformt wurde. Heute ist das 100 m lange und 20 m hohe Azure Window ein bekanntes Wahrzeichen und die Hauptattraktion der Insel Gozo.

Azure Window

Azure Window

Azure Window
Nach einer kurzen Fahrt kamen wir gegen 16 Uhr in dem Ort Nadur an. Dort trafen wir zu einem Gespräch die junge, gozitanischen Künstlerin Maxine Attard in ihrem Atelier an. Ihr sehr modernes Haus dient auch gleichzeitig als eine Art Ausstellungsraum oder Galerie. Auf diese Weise bekommt man auf mehreren Etagen einen ganz persönlichen Einblick in die verschiedenen Werke und das Leben der jungen Künstlerin. Die 28-jährige Maxine hat Kunstgeschichte in Malta und Kunst in England studiert und setzt ihren Schwerpunkt auf Zeichnungen, Malerei, Fotografie sowie Holzarbeiten.

Das Atelier von Maxine Attard.

Das Atelier von Maxine Attard.

Leider hatten wir nur einen Tag auf der Insel Gozo zur Verfügung, es gibt sicherlich noch viel mehr dort zu sehen.
Mein Fazit für die Insel: Landschaftlich wirklich wunderschön, kulturell sehr vielseitig und Gozo ist absolut empfehlenswert für einen längeren Urlaub.

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Ich liebe Hibiskus!❤