Integration nach unterschiedlichen Kulturen in Israel

 

Nach dem kurzen Frühstück fuhren wir zunächst mit dem Taxi zum bekannten Leo Baeck Zentrum in Haifa. Das Leo Baeck Zentrum ist 1938 entstanden und wurde ursprünglich von dem Rabbiner Meir Elk gegründet. Zunächst wurde das Zentrum als Kindergarten für jüdische Flüchtlingskinder aus Deutschland verwendet. Inzwischen wird es als Schule genutzt. Es steht für ein progressives Judentum und eine exzellente informelle Bildung der Jugendlichen verschiedenster kultureller Herkünfte. Wir sprachen in dem Zentrum mit 4 Jugendlichen, die zusammen an einem arabisch-jüdischen (Musik) Projekt arbeiten. Dabei war es sehr interessant und beeindruckend zu sehen, wie christliche, jüdische und muslimische Jugendliche im Schulalltag und in ihrer Freizeit mit einander umgehen. Mit gegenseitigem Respekt, viel Toleranz und Solidarität! Dieses Projekt integriert auch die Jugendlichen mit äthiopischem Migrationshintergrund oder Einwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion. Nach diesem Treffen fuhren wir zu unserem nächsten Termin im Center für russische Einwanderer der Stadt Haifa.

 

Wir trafen die stellvertretende Bürgermeisterin Yulia Shtraim, die uns zunächst das komplette Center und deren Aufgaben vorstellte bevor sie uns in einem Interview mehr von sich erzählte. Was total interessant war… Yulia wurde ursprünglich in der Ukraine geboren, aber kam bereits 1990 mit ihrem jüdischen Mann nach Israel. Inzwischen ist sie wie gesagt stellvertretende Bürgermeisterin und eine sehr selbstbewusste und zielstrebige Frau, die genau weiß, was sie will.

 

Nach den beiden sehr umfangreichen Terminen legten wir eine Mittagspause ein, bevor wir in ein Altersheim zu einem älteren Ehepaar fuhren. Das Interessante daran war, dass der 92-jährige Hans der letzte noch lebende Templer ist, der in der Deutschen Kolonie in Haifa früher gelebt hat. Der aus der Schweiz stammende Mann lebt inzwischen mit seiner Ehefrau Esther im Altersheim und geniesst dort sein Rentnerleben. Die beiden haben vier Kinder zusammen. Es war einfach unglaublich schön die Zwei im Altersheim zu besuchen und ihnen und ihren interessanten Geschichten, die sie selbst erlebt haben oder zugetragen bekommen haben, zu zuhören…

 

Ich vermisste in dem Moment meinen Lieblingsopa soooo sehr! Ich habe es immer geliebt ihn Zuhause zu besuchen und ihm und seinen Geschichten zu zuhören. Ich wünschte, er könnte jetzt noch erleben, dass ich gerade in Israel bin und morgen nach Jerusalem und sogar noch nach Bethlehem fahren werde. Es war und ist immer ein Traum von mir gewesen – als Christin – einmal im Leben zur Adventszeit in Bethlehem sein zu können und die weihnachtliche Atmosphäre dort hautnah und live mitzuerleben. Und deshalb wurde gestern Abend kurzerhand der Plan der Pressereise geändert. Wir 3 Mädels hatten ganz spontan beschlossen, dass wir 3, also noch zwei weitere Journalisten, zusammen nach Bethlehem fahren werden und dort auch über Nacht in einem niedlichen Hotel bleiben werden. Was wäre Israel ohne Bethlehem? Man muss diese Stadt einfach gesehen haben und ich freue mich schon sehr darauf…